24. April 2021, St. Petersburg | Prodiumsdiskussion zur Bewahrung des kulturellen Erbes

Abbildung: 13. August 1944. Arbeitseinsatz der Lenngrader Bevölkerung in den Parkanlagen des zerstörten Palastkomplexes Peterhof | (C) Archiv Staatliches Museumsreservat Peterhof, St. Petersburg)

Vor sechzig Jahren, 1961, vereinbarten die Städte Leningrad (heute: St. Petersburg) und Dresden eine Städtepartnerschaft. An diesen Jahrestag erinnert die diesjährige Deutsche Woche in St. Petersburg. Vom 22. bis 29. April thematisieren zahlreiche Veranstaltungen die unterschiedlichen Facetten russisch-deutscher Begegnung. Gerade in Zeiten politischer Spannungen erhalten zivilgesellschaftliche Kommunikation und kommunale Kooperation eine besondere Bedeutung. Angesichts teils tiefgreifender Differenzen zu Menschenrechten und Demokratie auf politischer Ebene erscheint es umso wichtiger, sich der kulturellen Gemeinsamkeiten und geteilten Interessen unser beider Gesellschaften zu versichern. Ein wesentlicher Aspekt dessen sind die gemeinsame europäische Kultur, aber auch die widersprüchlichen Erfahrungen der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts.

In diesem Kontext wirkte unsere Gruppe an einer Podiumsdiskussion zur Geschichte und Gegenwart der Bewahrung des kulturellen Erbes in Leningrad / St. Petersburg und Dresden mit. Sie fand in der Petersburger Majakowski-Bibliothek anlässlich der Eröffnung der Ausstellung »Über die Zeit verbunden« mit Fotocollagen von Sergej Larenkow statt. In ihren Impulsvorträgen gaben der Petersburger Historiker Dr. Pawel Petrow und Matthias Neutzner von MEMORARE PACEM einen Überblick über die Geschichte der Rückgewinnung im Zweiten Weltkrieg zerstörter Baudenkmale in ihren Städten. Dr. Petrow erläuterte am Beispiel des Palastensembles Peterhof die langwierige und schwierige Rekonstruktion der während der deutschen Blockade Leningrads zerstörten Welterbestätten. Matthias Neutzner stellte die Geschichte von Rückgewinnung und Aufgabe zerstörter Dresdner Baudenkmale in den Kontext der sich wandelnden gesellschaftlichen Prämissen, erinnerungskulturellen Erfahrungen, denkmalpflegerischen Überzeugungen und wirtschaftlichen Verhältnisse.

In der von Viktor Naumow moderierten Diskussion mit dem Publikum wurde deutlich, dass die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen von Zerstörung und Rückgewinnung des kulturellen Erbes für die Identität beider Stadtgesellschaften bedeutsam bleibt. Die Diskussion berührte die Fragen, wie solche Erfahrungen museal vermittelt und in der Bildungsarbeit aufgegriffen werden können. Punktuell machten die Fragen jedoch auch deutlich, dass nach wie vor kontrastierende Sichten auf diese geteilte Geschichte existieren. Veranstaltungen wie diese Diskussion können helfen, diese Widersprüche und Ambivalenzen transparent und zum Gegenstand des Austauschs zu machen.

Den Grundton der Veranstaltung markierten die bereits einleitend geäußerten Bemerkungen des deutschen Generalkonsuls in St. Petersburg, Stefano Weinberger: Mit Verweis auf die Bezeichnung unserer Gruppe bezeichnete er »Memorare Pacem« – das gemeinsame Erinnern an Friedenskultur als Basis unseres Zusammenlebens – als Leitmotiv des kulturellen Austauschs zwischen Russland und Deutschland.


Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Russischen Begegnungszentrum in St. Petersburg.